Höga Kusten

Vierte Etappe: Das Zielgebiet. Von Sundsvall bis Sundsvall

Als Höga Kusten wird allgemein der Küstenabschnitt von Härnösand bis Örnsköldsvik bezeichnet. Luftlinie etwa 45nm. Wir haben unser Zielgebiet etwas großzügiger gefasst; die Höga Kusten sind Teil, der überwiegende Teil, unseres Zielgebietes. Das war keine Entscheidung in Gütersloh am Grünen Tisch, sondern ad hoc, als wir hier oben ankamen. Der “Seekartenverkäufer“ in Sundsvall hatte zum Beispiel empfohlen, Norrbyskär zu besuchen.

Am 5. Juni ging’s los. 26nm von Sundsvall nach Holmviken (Foto links), eine Ankerbucht am Südzipfel von Härnön. Südliche Winde bis 17kn, Dünung von achtern 1m. Schönwetter und mit 15°C recht mild. Die Ankerbucht ist perfekt gegen S geschützt, allerdings waren die Wassertiefen mit 10m deutlich über den in der Navionics-App angegebenen 6m. Mit etwas Mühe fanden wir doch noch eine passende Stelle, ließen den Anker auf 6,5m fallen und kamen auf 12m zu liegen. Tief reinfahren kann man nicht, zu wenig Schwoiraum, und ein Unterwasserkabel quert die Bucht. Sie ist nicht besonders schön.

Am E-Ufer Müll, defektes Kühlgerät, überschüssige Baumaterialien, Bojen, Autoreifen. Das war uns alles nicht so wichtig, sondern der Schutz gegen die Dünung aus S. Sieben Kabellängen weiter nördlich gibt’s gleich guten Schutz gegen N.

Das Ziel für den 6. Juni hieß Bönhamn (Fotos rechts). Wir wollten einen Hafen mit Landstrom, weil für den 7. Juni Regen und Kälte prognostiziert wurden. Geplant war eine Route entlang der Außenküste (27nm), doch daraus wurde nichts. Denn der mit 6-14kn angekündigte Südwind verabschiedete sich nach einer Stunde Fahrtzeit und ließ uns in der Dünung allein zurück. Allerdings nicht lange. Nach einer kurzen Nordwind-Episode von 10min Dauer kam der S zurück. Da hatten wir schon entnervt das Tagesziel von Bönhamn auf Lustholmen (12nm) verkürzt und waren dazu in den Sund zwischen Härnön und Lungö eingebogen. Dort briste es wieder auf bis zu 17kn auf, und wir segelten mit 6kn Fahrt an Lustholmen vorbei. Durch den Sannasundet nach N und auf der N-Seite von Hemsön wieder an die Außenküste zurück. Dort ließ uns der Wind ein zweites Mal im Stich. Warten half nichts, wir mussten die letzten 4nm bis Bönhamn motoren. Wegen des Schlenkers durch den Sannasundet wurden aus den geplanten 27nm tatsächliche 32nm.

Bönhamn hat uns sehr gefallen, ein schön erhaltener, unverbauter, unverfälschter Ex- Fischereihafen. Strom, Wasser, WC, Dusche, Küche einlaufend auf der Bb-Seite (im “Kajen“, direkt vor unserem Bug). Man liegt gewöhnlich mit Heckanker, aber wir waren nur zwei Gastboote. Die Hafengebühr zahlt man im Café/Kiosk “Bryggan“ auf der anderen Hafenseite. Wir blieben zwei Nächte, wetterten Regen und Kälte ab.

Am 8. Juni segelten wir nach Skagshamn (29nm). Bis nach 16Uhr mit WNW von 5-14kn, anfangs in ablandigen Böen bis 19kn. Um 16:35Uhr Umschlag auf S 17kn, Böen 24kn. Da hatten wir es noch 5nm bis zum geplanten Ziel. Ursprüngliche Absicht war es, in der großen Bucht von Skagshamn zu ankern. Die mit “Gästhamn“ gekennzeichnete, hohe Pier, an der man gewöhnlich mit Heckanker liegt, war jedoch völlig frei. Wir machten längsseits fest, waren dort zur Nacht einziges Gastboot.

Es ist kein schöner Molenplatz (Foto links mit der großen Ankerbucht dahinter). Es handelt sich um eine frühere Verladepier von “Röda Ulven“, einem Hersteller von “surströmming“, dem fermentierten Hering. Hier wurde einst der Hering eingesalzen. Während unserer Anwesenheit wurden Konservendosen dieser Spezialität palettenweise in LKWs verladen.

Die Pier bietet Strom und Wasser. Eine etwas abenteuerliche Stromsäule. WC, warme Dusche und eine kleine Küche 25m landeinwärts; von dort wurde das obere Foto aufgenommen. Eine kleine Hafengebühr zahlt man in bar (Kuvert in Box), per Swish oder IBAN-Überweisung.

Bei E-lichen Winden von 9-13kn machten wir am 9. Juni einen kleinen “Sprung“ von 6nm “zurück“ nach SW, segelten bei schönem Wetter und Schauerwolken über dem Festland nach Grisslan Vågön. Weiterhin Dünung aus S, gegen die Grisslan Vågön auf der N-Seite Schutz gewährt. Die Inseln Vågön und Grisselön sind durch einen schmalen Sund getrennt, über den eine feste, 2,5m hohe Fußgängerbrücke führt. Von dort entstand das Foto rechts.

Wir lagen längsseits am Schwimmsteg, an dem man in der Saison mit Heckanker festmacht. Am Schwimmsteg eine Plattform mit Sauna. An Land Grillplatz und Trockentoilette. Keine Hafengebühr, der Steg ist ein Service der Kommune Örnsköldsvik. In der Vorsaison ein idyllisches Inselhäfchen. Keine Autos. Die Ruhe pur. Vier Bewohner und einen Hund gesehen. Wir waren das einzige Gastboot.

Am 10. Juni hatte der E-Wind ausgeweht. NW, im Tagesverlauf über W und SW auf S drehend, brachte uns nach Norrbyskär (38nm), vom “Seekartenverkäufer“ in Sundsvall empfohlen. Dort fanden wir eine recht neue Schwimmsteganlage mit Auslegern vor. Grillplatz, Trockentoilette, Mülltonne. Weder Strom noch Wasser. Aber auch keine Hafengebühr, ein Service der Kommune Umeå. Wir waren nicht allein. Die rote Spækhugger eines jungen schwedischen Paares mit zweijährigem Sohn lag schon dort. Sie hatten das Boot gebraucht in Umeå gekauft und überführten es jetzt nach Stockholm. Sie kannten das Revier genauso wenig wie wir und waren dankbar über Informationen zu jedem Hafen/Liegeplatz, die wir auf unserer Fahrt nach N besucht hatten und über die wir berichten konnten. Wir sollten uns später mehrfach wieder treffen.

Die Steganlage mit den Auslegerschwimmern in Klatschmohn-Rot kam uns in der ansonsten grünen Umgebung etwas deplatziert vor. Die Bucht wird offenbar schon seit Jahrzehnten von der Schifffahrt genutzt. Man findet ausrangierte Schwimmstegelemente, massive Betonpoller mit großen rostigen Eisenringen und verrottende Holzbalken am Strand. Und Eisenbahnschienen, die wohl für einen Slip gedient haben. Mittlerweile von jungen Birken überwuchert. Schilder raten von dem Betreten dieses “unaufgeräumten“ Gebietes ab. Fußläufig Ferienhäuser. Am Fähranleger, etwa 700m, soll es ein Kiosk geben. Habe ich aber nicht gesucht.

Wir beschlossen, dass Norrbyskär der nördlichste Punkt unserer diesjährigen Reise sein sollte. Wir hatten nur geringe Kenntnisse über weiter nördlich liegende Häfen oder Liegeplätze; unsere Informationsquellen waren die Navionics-App, die Båtsportkort “Bottenhavet Norra“ und die Website “Svenskagasthamnar.se“, und die gaben dafür allesamt nicht genug her. Und so kreuzten wir am 11. Juni gegen schwachen SSE 7-9kn, später S und SW nach Järnäshamn (15nm) auf. In der großen Bucht kann man unter Beachtung einer Rohrleitung auf 3-6m Tiefe ankern, an der sxk- Boje festmachen oder in dem kleinen Gästhamn auf Storklubben (mit Restaurant) anlegen. Als sxk- Mitglied entschieden wir uns für die Boje. Nachmittags kam die rote Spækhugger eingesegelt und machte im Gästhamn fest.

In der Nacht auf den 12. Juni etwas Regen. Morgens um 4Uhr lag noch eine mächtige Schauerwolke im NE, daneben die um 2:30Uhr aufgegangene Sonne. Sonst nur blauer Himmel. Das Hoch hatte sich durchgesetzt und mit ihm Wind aus NW, später N. Nur unter Fock segelten wir bei 3Bft von der Boje ab; draußen waren es sofort 21kn Wind. Je weiter wir dem Leuchtfeuer Skagsudde kamen, umso schwächer wurde der Wind und umso mehr Bewölkung zog auf. Kühl im Cockpit. Erst nahmen wir das gereffte Groß hinzu, dann das volle. An Skagsudde wehte es mit nur noch 10-12kn. Aber es fielen ablandige Böen ein, die uns erneut reffen ließen. Schließlich mussten wir nun aufkreuzen oder hoch an den Wind, um das in einem 9nm tiefen “Fjord“ liegende Örnsköldsvik (36nm) zu erreichen.

Nach Örnsköldsvik fuhren wir zum Einkaufen. Wir steuerten nicht den Gästhamn im äußersten Scheitel des “Fjords“ an, sondern machten einlaufend auf der Stb-Seite an der Schwimm- steganlage “Lungvik“ fest, vor der sich auch eine sxk-Boje befindet. Man liegt dort ruhiger, nicht zentrumsnah und ist weniger dem Verkehrslärm ausgesetzt. Aber man muss sich mit einer maroden und ungepflegten Steganlage abfinden. Strom und Wasser auf dem Steg. Öffentliche Toilette, keine Dusche. Die Hafengebühr zahlt man per Swish oder bar im Kuvert.

Die Einkäufe bei ICA und Lidl (ca. 3km) erledigte ich mit dem Fahrrad, das insbesondere bei Transport von Getränken hilfreich war und das man zu diesem Zweck auch bei einem Liegeplatz im Gästhamn benötigt hätte.

Wieder voll versorgt liefen wir am 13. Juni mit dem Ziel Trysunda (15nm) aus. Das Inselchen war in der sxk-Mitgliederzeitschrift “På Kryss“, Ausgabe April 2025, gepriesen worden. Bei SE 9-13kn kreuzten wir aus dem in WNW-ESE-Richtung verlaufenden Örnsköldsvik-“Fjord“ heraus und kamen dabei mit nur drei Wenden aus – deutlich weniger als erwartet.

Trysunda empfing uns mit einem nigelnagelneuen Holzsteg und Heckbojen davor. Leider misst die Wassertiefe direkt am Steg weniger als 1,5m, so dass man nicht mit dem Heck zum Steg liegen und den Bug zum Buchtausgang drehen kann. Schade, denn so schlägt einlaufender Schwell unters Heck und stört die Nachtruhe. Wer lag schon am Steg, als wir einliefen? Die rote Spækhugger.

Die Hafengebühr zahlt man in bar, per Swish oder mit Karte in der Rezeption des Vandrahem & Skärgårdcafés, wo auch einige Basislebensmittel (u.a. tiefgekühltes Brot) angeboten werden. Bei der Zahlung erhält man umfangreiche Informationen über Wanderungen, Badeplätze, Aussichtspunkte. Man ist stolz, 2006 in dem Buch “The Islands of Sweden“ zur schönsten Insel Schwedens gekürt worden zu sein. Und zum best erhaltenen Fischerdorf der Höga Kusten.

Außer dem Holzsteg wurden auch die WCs renoviert. Fürs Duschen braucht man 10SEK-Münzen, ebenso für Waschmaschine und Trockner. Die Küche des Vandrahems können Gastsegler mitbenutzen. Hier trafen wir abends die Crew der Spækhugger und kochten parallel an zwei Herden, kamen dabei ins Gespräch. Übrigens ist in der Küche aus olfaktorischen Gründen weder das Öffnen von “surströmming“-Dosen noch dessen Verzehr gestattet.

Sehr unsteter Wind und Dünung aus SSE machten uns die Fahrt am 14. Juni nach Ulvön (9nm) schwer. Dem anfänglichen SE 7kn ging schon nach der ersten gesegelten Meile die sprich- wörtliche Puste aus. Kaum noch Ruderwirkung. Die Dünung von vorn drückte uns auf die Küste Skrubbans, bevor der Wind doch noch ein Einsehen hatte und zurückkam. Das waren aber nicht die letzten Windkapriolen des Tages. Es gab Dreher und Aussetzer, so dass ungeplant ein Kreuzkurs notwendig wurde.

Als wir den Sund zwischen Norra und Södra Ulvön erreichten, war der Wind endgültig aus. Wind- abdeckung. Der SE kam in den in NE-SW- Richtung verlaufenden Sund nicht hinein. Und da außerdem im Sund eine sxk-Boje landschaftlich schön vor Sandstrand und Kiefernwald liegt, beendeten wir hier den Segeltag vorzeitig.

Ulvöhamn auf Norra Ulvön bietet Gästen zwei Piers, eine kommunale und eine Hotelpier (im Foto links). Die Heckbojen der Hotelpier lagen alle noch an Land. Es war ja auch kaum Betrieb, die Zahl der Gastboote ließ sich an den Fingern einer Hand abzählen. Nahe der kommunalen Pier (nicht im Bild) legt die Fähre zum Festland an. Am Fähranleger sollen auch Lebensmittel zu bekommen sein. Haben wir nicht ausgetestet.

Das ursprünglich für den 15. Juni geplante Ziel Mjältön Baggviken, nur 4,5nm entfernt, vertagten wir wegen der Wetterentwicklung auf den 17. Juni. So konnte man am 15. mit östlichen Winden in den beinahe 10nm nach E ins Land einschneidenden Ullånger-“Fjord“ hinein segeln und am 17. mit NW wieder heraus. Und den 16. Juni, prognostizierter Regentag, in Ullånger zum Einkaufen nutzen.

Die erste Meile der 13nm nach Utvik im hintersten Zipfel des Ullånger-“Fjordes“ führte durch den landschaftlich sehr schönen Ulvönsundet. Damit es nicht so schnell durch dieses Paradies gehe segelten wir bei 3Bft nur unter doppelt gereffter Fock. Trotzdem waren wir nach 20 Minuten aus dem Sund nach W raus. Danach lange gerade Strecken ablaufend bei NE, später E und SE 10- 14kn und zunehmender Bewölkung.

In der Utvik befindet sich der Vereinshafen des Ullångerfjärdens Båtklubb. Ein Schwimmsteg, an dessen Kopf zwei Heckbojen für Gäste. Diese dürfen auch freie Auslegerboxen nutzen, wenn sie denn als solche (rot/grün) gekennzeichnet wären. Für unsere Schiffsmaße sind sie zu schmal. Wir nahmen eine Heckboje auf den Bug und hatten so den leichteren Ausstieg durch das offene Heck. Gäste liegen kostenlos. Sie könnten Strom und Wasser auf dem Steg nutzen, was wir nicht taten.

Die grüne Umgebung täuscht ein wenig. Um den “Fjord“-Zipfel herum führt die Europastraße 4, deren Lärm bei ungünstiger Windrichtung zu hören ist. Am gegenüber liegenden Ufer befindet sich ein Sägewerk; dessen Maschinen, Gabelstapler, Bulldozer hört man auch. Davon ließen sich die Kraniche offenbar nicht stören, die nur 100m vom Boot entfernt auf einer Sandinsel übernachteten.

Zum Einkaufen in Ullånger (Coop) sind es etwa 1km und vielleicht 50m Höhenunterschied.

Wie vom SMHI prognostiziert drehte der Wind am Abend des 16. Juni auf NW. Böiger NW mit 7-23kn brachte uns am Vormittag des 17. Juni wie geplant in die Bucht Baggviken (10nm) auf der Insel Mjältön. Sie ist mit 236m Höhe die höchste Insel Schwedens. Die Baggviken ist, so meinten Skipper in Trysunda, ein “Must-have-seen“ an der Höga Kusten. Eine nahezu kreisrunde Bucht von etwa 200m Durchmesser mit schmaler Einfahrt. Der NW kommt nur abgeschwächt und teils als Neerwind herein. Wir ankerten mittendrin; es gibt aber auch mehrere Schwimmstege, an denen man mit Heckanker liegt. An den Stegen findet man Grillplätze, Tische und Bänke, Trockentoilette und auch eine Sauna. Holz muss man selbst hacken.

Die Baggviken liegt im Naturreservat (Skuleskogens Nationalpark) und ist ein grüner Kessel mit hohen, baumbestandenen Ufern ringsherum. Wanderfreunde kommen hier voll auf ihre Kosten. Auch bei Skippern sei die Bucht sehr populär, so sagte man mir, und in der Hochsaison regelmäßig überlaufen. Jetzt war noch nichts los. Uns inklusive drei Boote zur Nacht.

Nachmittags ein kurzer Regenschauer. Abends dürrer Dauerregen, vermieste anderen Skippern das Grillen mit dem zuvor gehackten Holz. Der Dauerregen endete nachts, bis zum Morgen nur noch schauerartig. Bei den ersten Sonnenstrahlen des 18. Juni und NW-Böen in der Bucht liefen wir mit dem Ziel Hummelviken (11nm) aus, wohl wissend, dass uns draußen mehr Wind erwarten würde.

In der Tat! Nach wenigen Kabellängen fielen NW- Böen von 25-28kn über uns her; da waren wir nur mit der Fock richtig besegelt. Raumschots sorgten sie für über 7,5kn Fahrt. Aus den tiefen Einschnitten (Ullångersfjärden, Omnefjärden, Edsätterfjärden) blies es düsig verstärkt. Dazwischen teilweise Windabdeckung durch hohe Berge. Im Edsätterfjärden mussten wir aufkreuzen und refften dazu die Fock. Der Wendewinkel war auch damit akzeptabel, wie das Foto rechts beweist.

In der Hummelviken liegt gut gegen NW und N geschützt eine Boje des sxk, an der wir festmachten. In der benachbarten Södra Ravsöviken findet man eine kleine Pier, ebenso gut geschützt. Die Hummelviken ist auf der NW- Seite mit mehreren Ferienhäusern und privaten Bootsstegen bebaut. An ihrer N- und E-Seite befinden sich Badestrände.

Am 19. Juni segelten wir nach Häggvik (15nm), eine kleine Marina. Nicht, weil wir einen Hafen, zum Beispiel der Versorgung wegen, gebraucht hätten, sondern weil die spektakulär enge Einfahrt nach Häggvik (gut 30m breit) nach Meinung anderer Skipper ein „“Must-have-seen“ an der Höga Kusten sei. Bei NW-, später auch N-Wind mit bis zu 22kn segelten wir zunächst außen um das Leuchtfeuer Högbonden herum. Gepriesen für seine Aussicht, denn es liegt 75m über dem Meeresspiegel. Man kann es mit dem Fährboot besuchen.

Anschließend ging es am Wind auf den Gaviksfjärden zu, ein buchtenreicher Einschnitt in die Küste. Im Gaviksfjärden kreuzten wir bis vor die besagte enge Einfahrt, den Trångsundet. Ist man da hindurch (motort), folgt kurz danach ein zweiter Sund, der Sågsundet. Bestens geschützt vor allen Winden findet man die Marina auf der Stb-Seite. Vorab: wir würden sie ein zweites Mal besuchen, aber nicht wegen der besonders engen Zufahrt.

In der Marina liegt man überwiegend an Heckbojen; es gibt auch einige Plätze längsseits auf der Rückseite des Schwimmsteges. Zur Nacht war weniger als ein Drittel der Plätze belegt. Die Hafengebühr zahlt man in bar (Kuvert in Box), per Swish oder per IBAN-Banküberweisung. Es ist alles inbegriffen: Strom und Wasser auf dem Steg, Sanitäranlage mit warmen Duschen und Wasch- maschine (ein Miele-Gerät), Sauna, Seglerküche, Müllentsorgung, Wifi, Leihfahrräder. Ein solches bietet sich an, will man im 3,5km entfernten Nordingrå einkaufen.

Für den 21. Juni, midsommar, kündigte SMHI erst Regen und nachfolgend Starkwind aus NW an. Wir suchten und fanden einen dafür geeigneten Ankerplatz in der Rydsviken, einer knapp 4nm entfernten Bucht. Am 20. Juni segelten wir dorthin. Mit dem letzten Rest vom N-Wind gelang es, durch den Trångsundet herauszusegeln, bevor der Wind vor dessen S-Eingang wie prognostiziert auf E umsprang. Erst mit ein paar Böen, dann nur noch 1Bft. Er brachte uns ganz langsam in die Rydsviken; die langsame Fahrt mit nur 2kn war wegen vorspringender Flachwasser und der partiell nur 70m breiten, unmarkierten Passage ab Brattnäset willkommen.

In der Rydsviken kein Boot; freie Ankerplatzwahl für uns. Sie bietet Schutz gegen fast alle Winde, nur SE hat 3kbl fetch. W und NW werden durch hohe Berge abgeschirmt, N fällt böig ein. Offenbar kennen andere diese Qualitäten auch, wir nur durch Zufall. Zu unserer Überraschung kam abends noch ein holländisches Boot und blieb wie wir zwei Nächte.

Weiter ging es also erst am 22. Juni bei Schönwetter, aber unsteten Winden. Wieder einmal bestimmte der Wind den Zeitpunkt des Anker-Aufs, nämlich 3:20Uhr. SMHI prognostizierte NW- Wind nur bis 9Uhr. Wollten wir an Brattnäset vorbei segeln, nicht motoren, mussten wir also früh los. Von NW-Wind war aber kaum zu sprechen, eher von NW-Hauch. Wir segelten noch langsamer aus der Bucht heraus als zwei Tage zuvor hinein. Es war dennoch faszinierend. Die Stille und Ruhe. Die Rufe der Vögel. Die Sonne, wie sie über die Berge und Bäume kam (Sonnenaufgang war um 2:42Uhr gewesen). Der Schatten unserer Takelage, der über die Uferbäume kroch. Nachdem wir Brattnäset passiert hatten, setzte “richtiger“ WNW ein, der uns endgültig aus dem Gaviksfjärden herausbrachte.

Unsere weitere Route nach Lustholmen (Foto links; 19nm) führte uns entlang der Außenseite, der Seeseite der Höga Kusten, mit Generalkurs SSW. Dabei südliche Winde, SE oder SW, wenn Berge oder Inseln den NW abschirmten, und NW- Wind auf den nach NW hin offenen Wasser- flächen. So auch im Lungösundet, durch den wir die Außenküste wieder verließen.

Lustholmen ist der “uthamn“, der Außenhafen, von Härnösands Segelsällskap, nach dem Königlichen Segelklub KSSS der zweitälteste Segelklub Schwedens. Eine Schwimmsteganlage mit Heckbojen. Wen fanden wir hier wieder? Richtig, die rote Spækhugger. Aber es war niemand an Bord, das Boot verwaist.

Wir blieben drei Nächte in Lustholmen, einem wunderbar gegen Nord- und Südwinde geschützten Hafen. Südwind bis 12m/s, Böen 15m/s, zeichnete die nahe gelegene Wetterstation Lungö am 23. Juni auf, Nordwind bis 12m/s, Böen 14m/s am 24. Juni. Davon kam in Lustholmen kaum etwas an. Dafür gab es reichlich Regen, so reichlich, dass Wasser in die Außenbeleuchtung der Anlage eindrang. Der Strom fiel in Küche und Sanitärräumen aus, nicht auf dem Steg. Morgens kein WC, keine Dusche, denn die GoMarina-Tastaturen zum Öffnen der Türen waren stromlos. Die Hafengebühr zahlt man mittels GoMarina-App oder am (manchmal auch stromlosen) GoMarina- Terminal vor der Seglerküche.

Am 24. Juni traf die Crew der Spækhugger ein. Sie hatten ihren Überführungstörn von Umeå nach Stockholm wegen eines Trauerfalls in der Familie unterbrechen müssen. Nachdem sie ihre Siebensachen samt Kinderwagen verstaut hatten, liefen sie nachmittags noch aus; wir erst am nächsten Morgen.

Am 25. Juni segelten wir in die Barsviken (17nm). Diese Bucht gewährt Schutz gegen alle Winde außer S und SE. Diesen Schutz wollten wir, denn auf See stand noch die Dünung aus N vom Vortag. Die “Binnenroute“ durch den Härnösund war uns versperrt, denn wegen Brückenneubaus wird die Brücke über den Sund in 2025 nicht geöffnet. Alternatives Ziel wäre die Söråkersviken mit 23nm Entfernung gewesen, aber dazu reichte der Wind nicht.

In beiden Zipfeln der Barsviken liegen alte Fischersiedlungen, die ihren Charme bis heute bewahrt haben. Wir ankerten im W-Zipfel auf 4m Wassertiefe.

Vom W-Zipfel stammt auch das Foto rechts vom Morgen des 26. Juni. Bei dem strahlenden Wetter mochte man gar nicht glauben, dass SMHI für den 27. Juni schon wieder Regen ankündigte. Darum verwarfen wir uns ursprüngliches Ziel “Spikarö“ zugunsten von Sundsvall (22nm), wo wir am 27. Juni sowieso zum Einkaufen hingefahren wären.

Der strahlende Morgen, die Ruhe und Stille, das Postkarten-Idyll, veranlassten uns zu bleiben und zu genießen. Mit einer Mugg heißen Kaffees ließ es sich herrlich dem Fischer (oder ex-Fischer) zusehen, der vor seiner Hütte (die rechte im Foto) saß und dasselbe tat wie wir: Sonne tanken und Kaffee trinken. So versäumten wir es, früh mit dem Rest vom NW auszulaufen und durften daher zunächst gegen SW 2Bft aufkreuzen. Im weiteren Tagesverlauf drehte der Wind auf SSE und nahm bis 5Bft zu.

Im Sundsvall Cityhamn machten wir anders als am 4. Juni nicht längsseits, sondern mit Boje auf den Bug fest. Es war ja jetzt Hochsaison, und wir rechneten mit einem vollen Hafen. Es wurde aber nicht voll, wie das Foto links zeigt. Das Foto (von 18:20Uhr) zeigt auch die rote Spækhugger, die wir nun zum fünften Male trafen. Ich lobte eine Flasche alkoholfreien Sekts aus unseren Bordbeständen für das nächste Treffen aus, das es aber leider nicht gab.

In Sundsvall endete unsere vierte Etappe. Wegen Regens am 27. Juni blieben wir zwei Nächte, nutzten den segelfreien Tag zu umfangreichen Lebensmittelkäufen und zum Wäsche waschen.

Track der vierten Etappe, aufgezeichnet mit der Navigations-App iSailor. Statistische Daten der vierten Etappe: 318nm, davon 10nm unter Motor. Motorstunden 5h 3min.